Datenverarbeitung im Auto

Daten-Verarbeitung im Auto

Die Deutschen lieben das Auto. Seit Carl Benz das Auto im Jahre 1885 erfand, hat das Automobil ein paar große Veränderungen mitgemacht. Aus dem Gefährt, welches noch sehr einer Kutsche ähnelte, wurde ein geschlossenes Gefährt mit gesammelten Daten und ein wahres Massenprodukt. Derzeit sind mehr als 48 Millionen PKWs auf den deutschen Straßen unterwegs. Ein heutiges Auto hat mit dem Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 so gut wie nichts mehr gemeinsam.

Ein aktuelles Auto ist vor allem eins: ein Computer auf Rädern. Hierbei spreche ich nicht nur von Flaggschiffen des autonomen Fahrens à la Tesla, sondern auch von ganz normalen Autos der Mittelklasse. Logisch, dass hier auch Daten verarbeitet werden. Welche Konsequenzen das für den Fahrer hat und was die Zukunft noch so bringen wird, darauf nehme ich im folgenden Bezug.

Vernetztes Fahren

Das Erheben von Daten hat vor allem das Ziel, das Autofahren sicherer, komfortabler und effizienter zu machen. Assistenz-Systeme, Navigation, der Motor, ja sogar die Sitzposition sind mit der Verarbeitung von Daten verknüpft. Es wäre jetzt eine voreilige Schlussfolgerung zu sagen, dass die Daten ja technischer Natur sind und deshalb nicht unter den Anwendungsbereich der DSGVO fallen. In der Regel kann, aufgrund der enormen Datenmenge, ein Personenbezug der Daten sehr leicht hergestellt werden, wonach die Daten auch unter den Schutz des DSGVO fallen. Die Liste von Interessenten an diesen Daten ist lang. Neben dem Hersteller, welcher zum Beispiel den Verschleiß ermitteln möchte, haben Werkstätten, Zulieferer für Ersatzteile, Behörden, Pannendienste, Versicherungen, sowie Kartendienste und weitere Dienstleister alle ein Interesse an den Daten des Fahrzeugs. Und der Fahrer? Den Wenigsten ist tatsächlich bewusst, wie viele Daten überhaupt erhoben werden, manchen sogar, dass überhaupt Daten erhoben werden.

Die Macht der Autohersteller

Grundsätzlich sollte die betroffene Person über ihre Daten bestimmen können. Im Bereich des Automobils sieht der Status quo allerdings etwas anders aus. Nicht der Fahrer oder der Fahrzeughalter haben die Macht über „ihre“ Daten, sondern die Hersteller. Diese haben somit einen erheblichen wettbewerblichen Vorteil. So könnten die Hersteller eigene Vertragspartner für Pannenhilfe oder Reparaturen einsetzen. Datenschützer und Ökonomen fordern, dass die Hersteller in Zukunft keinen exklusiven Datenzugang mehr haben. Auch im Bereich Datensicherheit müssen die Hersteller nachrüsten. Tachomanipulationen und Keyless-Go-Diebstähle sind nur zwei Beispiele, bei denen die Datensicherheit noch ein wenig aufzuholen hat.

Innovation vs. Datenschutz?

„Beim automatisierten und vernetzten Fahren bedarf es somit eines innovationsfreundlichen Datenschutzes sowie datenschutzfreundlicher Innovationen“, hieß es 2017 von der Ethik-Kommission zum Thema automatisiertes und vernetztes Fahren. Die Innovation ging in den letzten Jahren vor allem in eine Richtung: autonomes Fahren. Autonomes Fahren zieht weitere Mitspieler auf das Spielfeld des Datenschutzes. Neben den Fahrzeug- und Passagierdaten funktioniert autonomes Fahren vor allem über Sensoren, welche die Umgebung erfassen und somit auch Menschen außerhalb des Fahrzeugs. Auf dem Gebiet der Dashcams gibt es genug Rechtsprechung zu diesem Thema und die dort festgestellten Grundsätze und Regeln sollten hier auch gelten. Ungeklärt sind aber bisher Fragen wie, ob der Beifahrer in die Datenverarbeitung einwilligen muss und wie zum Beispiel ein Datenaustausch zwischen zwei Fahrzeugen rechtlich gestaltet werden muss.

Fazit – der Klassiker

Wenn man im Jahr 2021 über Innovation spricht, dann ist das Thema Datenschutz nie weit entfernt. Die Menge an Daten nimmt Schritt für Schritt zu und die informationelle Selbstbestimmung gerät nach und nach in Gefahr. Auf “privacy by design” und “privacy by default” sollten in naher Zukunft auch Automobilhersteller ein größeres Augenmerk legen.

Gerade mit Blick auf die zukünftige Entwicklung der Mobilität, wird das Thema Datenschutz nicht mehr wegzudenken sein. Von Datenschützern wird vor allem eins gefordert: Transparenz.

Und auch wenn das Thema autonomes Fahren so klingt, als würde es noch einige Zeit dauern; so möchte Verkehrsminister Scheuer, Fahrzeuge bis zum Jahr 2022 in den Regelbetrieb bringen.

Wie so oft wird es vermutlich so sein, dass dem Datenschutz im Werdegang zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und die Hersteller, sowie die Politik erst nach Markteintritt aktiv werden.

 

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